Schöpfungsverantwortung

P1140685Meine Aufmerksamkeit wandert ungeplant zu den Tieren.

Auf den Straßen nach Saida sieht man ständig LKWs, press beladen mit Kühen auf dem Weg in die Schlachthäuser im Süden des Landes. Jenseits irgendwelcher Standards, die wir in der EU dazu mittlerweile erarbeitet haben. Es fehlen Trennwände – auf den Straßen schaukeln die Tiere mit jeder Kurve hin und her. Ziel sind die Schlachthöfe, vor allem im Süden des Landes, Sidon und Tyrus. Etwa 2 Stunden Wegstrecke von Beirut.

Wir kennen in Europa noch die Bilder, mit denen 2001 das ZDF die Zustände im Hafen von Beirut öffentlich gemacht hat. Meine Kolleginnen von Animals Angels waren vor 3 Wochen im Hafen und haben die Entladung von 2 Schiffen mit Rindern, sowie ihren Weitertransport dokumentiert. Sie sind resigniert. Es hat sich nicht viel geändert.

Gestern kam ein Schiff mit 1500 Rindern aus Kroatien. Heute sind es ebenso viele aus Brasilien und Kolumbien. Die Tiere aus Kroatien sind 10 Tage auf See. Das Schiff aus Brasilien ist 3 Wochen unterwegs. Viele Rinder sind völlig entkräftet, stehen Tage und Wochen im Kot und es gibt wenig Luft. Die Schiffe sind veraltet, Baujahr 1963-1980 etwa.

Im Supermarkt nebenan sehe ich dann das Schild: „Halal meet from Brazil“.

Die Khalifeh Group (http://khalifehlivestock.com/) hier im Libanon, hat das Geschäft fest in der Hand, besitzt Schiffe und Schlachthöfe.

Die Kehrseite: die EU hat in den letzten 3 Jahren ihre Tierexporte in den Mittleren Osten mehr als verdoppelt, in die Türkei sogar verfünffacht. Jährlich werden derzeit etwa 1 Million Rinder aus der EU in den Mittleren Osten auf diese Weise transportiert.

Es gibt einen Beschluss des EU Gerichthofs von 2015, nach dem das Wohlergehen der Tiere auf den Transporten bist zu Transportende gesichert sein muss.

Fakt ist: an den EU-Außengrenzen endet jegliche Möglichkeit, das Wohlergehen der Tiere irgendwie zu kontrollieren und zu gewährleisten. Darüber muss sich niemand Illusionen machen. Anscheinend gibt es Überlegungen in der EU, wenigstens in den Sommermonaten die Tiertransporte in diese Regionen einzustellen. Aber dann ist da ausgerechnet Ramadan…….das Geschäft kann man sich nicht entgehen lassen. Und wenn nicht die EU, dann kommen die Tiere aus Brasilien.

Ich studiere hier. Ich lese Bücher über die Entstehung des Islam. Über die christlichen Kirchen im Mittleren Osten. Arabisch-Lektionen. Viele Begegnungen mit Menschen und Schicksalen, die mein Herz bewegen und für die es mehr Fragen als Antworten gibt.

Die Tiere gehören dazu und lassen mich nicht los. Es mag für manche Leser*in ein Randthema sein. Für mich ist es das nicht. Zu sehr hat mich die Theologie von Albert Schweitzer von der Ehrfurcht vor dem Leben geprägt. Eine Welt, die nur den Menschen sieht und die Schöpfung ausklammert kann ich theologisch nicht mehr denken. Es ist mir zu Hause nicht egal und hier auch nicht.

Wie könnte es überhaupt in einem Land im Mittleren Osten möglich sein, ein öffentliches Interesse für dieses Thema zu schaffen? Zwischendrin schaue ich im Internet nach. Im Hafen liegen jeden Tag 2-3 Schiffe mit Rindern und Schafen und werden entladen. In welcher Welt leben wir?

 

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