Ein anderer Blick auf den Krieg

fullsizeoutput_5b0Vor uns sitzt Rev. Joseph Kassab, Generalsekretär der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon. Die Presbyterianische Kirche vertritt etwa 12.000 Christ*innen in Syrien und im Libanon. Aus vielen Kleinkirchen hat sie sich 1959 konstituiert.

Joseph hat an der NEST studiert, so wie viele unserer Syrischen Mitstudent*innen in diesem Sabbatical.

Syrien ist hier ständig Thema. Im Libanon ist etwa jeder Dritte ein Mensch, der nicht in seiner Heimat leben kann – vor allem aus Syrien, aus Palästina, aus dem Irak. Circa 2 Millionen bei 4-5 Millionen Einwohnern. Etwa 40.000 Syrische Kinder werden jährlich im Libanon geboren.

In der Regeln wird die Situation in Syrien als religiöse Auseinandersetzung gedeutet und dargestellt. Joseph Kassab versucht, uns einen anderen Aspekt aufzuzeigen. Für ihn stehen sozi-ökonomische/ psychologische  Aspekte in Syrien im Vordergrund. In einer Welt, in der die Christen einen hohen Bildungsstandard hatten, erlebt er den Islam als eine Religion, die den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bisher nur schwer begegnen konnte. Es sei weder gelungen, Israel effektiv zu kontrollieren, noch habe sich unter der muslimischen Bevölkerung ein solider Bildungsstandard etabliert. Armut war und ist prozentual mehr in der Muslimischen Bevölkerung vertreten als unter den Christen. „When you fail, it is easy to shout for God!“ Wenn man dauernd Misserfolge hat, ruft man “Gott ist auf unserer Seite!” Dann sei es leicht, sich so zu fühlen, dass man von Gott ausgewählt sei – und die Anderen eben nicht. Wenn man sich immer auf der Verliererseite wiederfinde, dann sehne man sich nach „Siegen“.

Es leuchtet ein. Das kennen wir doch auch: diejenigen, die sich auf der Verliererseite erleben, sind wesentlich leichter für Schwarz-Weiß Weltbilder zu mobilisieren als andere.

Das Syrien-Thema lässt sich sicher nicht auf diesen Aspekt reduzieren. Aber vielleicht ist es ein Baustein in der unglaublichen Komplexität.

670 Schüler*innen unterrichtet die Schule der National Evangelical Synod. 70% der Schüler*innen, für die Joseph Kassab zuständig ist, sind Muslime. An einer christlichen Schule! „There is no hope in Syria other than education!” sagt Joseph. Dies sieht er als Beitrag seiner Kirche für die Zukunft. Religion spielt bei diesem Anliegen keine Rolle. Es geht um eine andere Zukunft.

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