Kaffee und Hamam

Kaum eine Einladung bei einem offiziellen Vertreter einer Kirche oder einer sozialen Einrichtung, bei der nicht nach kurzer Zeit von Zauberhand die Tür des Besprechungsraumes aufgeht und eine freundliche Person „Ahwa“ – arabischen Kaffee serviert. In der Regel noch gesteigert mit einer Kostprobe orientalischer „sweets“- unzählige Varianten von Gebäck mit Mandeln, Pistazien, Honig. Es gibt kein hektisches „Zur -Sache -Kommen“ wie bei uns.

Ein Zeichen der Gastfreundschaft ist der Kaffee zugleich politisches Statement. Manche nennen in „turkish coffee“. Die Ottomanen haben hier nicht nur Segen hinterlassen und deshalb benutze ich lieber „arabic coffee. Aber da wird es schon heikel. Die Syrischen Student*innen an der NEST rollen die Augen. Für sie gibt es im Libanon keinen wirklichen Arabischen Kaffee! Der hat einen ganz anderen Geruch und Geschmack und den muss man aus Syrien mitbringen. Die Zubereitung ist ein anderes Thema. Pulver in die Kanne, aufkochen, ziehen und setzen lassen. Mit oder ohne Zucker.

Wie auch immer: der Kaffee ist das Zentrum einer Kommunikation. In fast jedem Dorf trifft man sich, um sich über die alltäglichen Vorkommnisse, Freud und Leid auszutauschen. In größeren Städten wie Beirut, Tripolis oder Saida erinnert man sich noch an die Kaffeehauskultur – häufig auch Treffpunkt, um über die Zukunft zu beraten.

Der Hamam – das öffentliche Bad – hat eine ähnliche Funktion.

Man geht ja nicht gleich zum Reinigen und Schwitzen! Als erstes trinkt man einen Kaffee und tauscht mit den Mit-Badenden aus. Dabei spielt die Religionszugehörigkeit überhaupt keine Rolle.

Die integrierende Aufgabe dieser öffentlichen Ereignisse hat durch den Bürgerkrieg gelitten. P1150008Die meisten Hamams sind geschlossen. Der ungezwungene Austausch über die Alltäglichkeiten des Lebens ist dem Misstrauen gewichen. Wer weiß schon, ob der Nachbar, mit dem ich im Hamam sitze, nicht morgen auf mich schießt? Der Frieden ist eine sehr fragile Angelegenheit. Man bleibt fürs Baden lieber privat.

Umso schöner, dass der Kaffee geblieben ist und weiterhin Brücken baut.

 

 

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