Eine Literaturempfehlung (nicht nur für Libanon-Interessierte) Emily Nasrallah, Flug gegen die Zeit, aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich, Lenos Verlag, Basel, 1991, 2003.

„Nach Jahrzehnten der Trennung brechen Radwan und Raja zum Besuch ihrer Kinder auf, die nach Kanada emigriert sind. Zum ersten Mal in ihrem Leben verlassen die beiden alten Leute ihr Dorf im Libanon.“ – so steht es auf der Rückseite des Taschenbuches.

Schon die Reise nach Beirut, um im Konsulat die Einreisepapiere abzuholen, ist für Radwan (70 Jahre alt) , der nicht lesen und schreiben kann, ein Aufbruch in eine völlig andere Welt. Nur mit der Hilfe und Begleitung eines jungen Nachbarn aus dem Dorf gelingt es ihm, alles Notwendige zu erledigen. Um wieviel aufregender und spannender ist der Tag des Fluges in die neue Heimat der Kinder und ihrer Familien. Der erste Flug wird wieder von dem jungen Nachbarn begleitet. Die weiteren beiden Flüge muss das alte Ehepaar dann alleine bewältigen, bis sie am Zielflughafen ihre Kinder und Schwiegerkinder treffen, die sie teils zum ersten Mal persönlich sehen. In Kanada müssen die beiden erleben, dass ihre Kinder sich mittlerweile den westlichen Gewohnheiten angepasst haben, noch mehr gilt das für die Enkelkinder. Es fällt den Großeltern schwer, zu akzeptieren, dass – nach ihrer Sicht – die Kinder und Enkel sich damit von allen Werten der Eltern und Großeltern entfernt haben. Insbesondere Radwan empfindet das als Verlust, ja sogar als Verrat. Er, der immer noch darunter leidet, dass seine gesamte Familie ausgewandert ist und jede Beziehung zur Heimat verloren hat, fühlt sich fremd und fehl am Platz an der neuen Welt.

Enttäuscht, traurig, heimwehkrank …. möchte er nicht in Kanada bleiben, was sich seine Familie sehr wünscht. So kehrt er allein in sein libanesisches Dorf zurück und lässt seine Frau bei seinen Kindern zurück, die dort vor dem Bürgerkrieg in der Heimat sicher ist. Radwan wird ein Opfer dieses Krieges.

Emily Nasrallah war eine libanesische Schriftstellerin, die in arabischer Sprache schrieb. Sie wurde am 6. Juli 1931 in Kfeir geboren und wuchs in einer christlichen Familie in einem Dorf im Südlibanon auf. Sie studierte gegen den Willen ihres Vaters an der American University in Beirut Erziehungswissenschaften. Sie arbeitete in der Hauptstadt zunächst als Lehrerin, dann als Journalistin und freie Schriftstellerin. Im Zentrum ihrer Texte stehen das Dorfleben im Libanon, Identitätsfragen im libanesischen Bürgerkrieg und Migrationserfahrungen, so auch eben im: „Flug gegen die Zeit“. Im Jahr 2017 wurde ihr die Goethemedaille verliehen. Emily Nasrallah starb im Alter von 86 Jahren am 14. März 2018 in Beirut. (siehe: http://www.boell.de/de/person/emily-nasrallah)

Dieses Buch fand ich in der Bibliothek von Dar Assalam und las es in dem wunderschönen Garten dieser interkulturellen Begegnungsstätte in Wardaniyeh-Schoufberg. (siehe: http://www.libanon-reise.com oder auf Facebook).

Elke Jung

 

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