Theologin sein und Pfarrerin werden – das ist nicht dasselbe

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Wir sind im Armenischen Quartier von Beirut, Burj Hammoud. Hier haben die Menschen 1915/16 Zuflucht gefunden – sowie in Syrien, dem Iran und anderen Ländern des Mittleren Ostens. Der Genozid an 1.5 Millionen Armeniern ist noch immer nicht anerkannt. Die Bundesrepublik Deutschland ist eines der wenigen Länder, die dazu klar Stellung bezogen haben.

Zwei junge Theologinnen der Evangelischen Armenischen Kirche, haben an der NEST studiert und zeigen uns etwas von dem quirligen Stadtteil. Beim Kaffee in der Pause erzählen beide aus ihrer Geschichte.

Liza kommt aus Kasab im Westen Syriens. Talars Großeltern kommen aus Madrash. Durch den Genozid mussten sie nach Aleppo fliehen. Von dort ist die Familien im Syrienkrieg in den Libanon gekommen und wohnt nun im Armenischen Viertel Burj Hammoud.

Beide Frauen haben ihren Abschluss mit „Master of Divinity“ gemacht, haben also beste Voraussetzungen, Pfarrerinnen in der Evangelischen Armenischen Kirche zu werden.

Theoretisch.

Praktisch allerdings werden Frauen als Theologinnen in die hinterste Reihe geschoben. Die Ordination von Frauen ist noch weit weg. Es gibt wenige Ausnahmen. Die Struktur der Kirche ist kongregational, d.h. die Gemeinde hat das Hoheitsrecht für alle Entscheidungen, nicht die Synode. Für Liza und Talar bedeutet das, sie sind abhängig. Es gibt keine einheitliche klare Richtung.

Ich denke: Wie wäre es wohl bei uns? Wenn die Ortsgemeinden darüber befinden dürften, ob Frauen Pfarrerinnen werden dürfen oder nicht – ich bin nicht sicher, welche Entscheidungen es dazu jeweils – auch heute 2018 – gäbe!

Beide Frauen sind verletzt, weil sie als Theolginnen in ihrer Kirche nicht wahrgenommen werden. Niemand, der fragt: „Wie geht es mit Deinem Weg weiter?“

Beide haben Alternativen gefunden, z.B. als Fachkräfte in der Bibliothek. Wenn der Krieg in Syrien nicht gekommen wäre, dann hätten sie mit ihrer Kirche gestritten. Aber so – es gibt derzeit keine Perspektive, nicht in Syrien und nicht mit der Evangelischen Armenischen Kirche. Ein Ausreiseantrag – vielleicht eine Option?.

Eine junge Frau mehr – denke ich –  die den Mittleren Osten verlässt. Wie schade wäre das! Welche Verantwortung haben wir als Kirchen und Ökumenische Partnerkirchen des Westens?!

 

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