Liturgie der Assyrischen Kirche des Ostens – Eine Anfrage an uns?

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Gottesdienstbesuch in der Assyrischen Kirche des Ostens

Was für ein Leid in der Geschichte dieser bis heute bei manchen als „häretisch“ geltenden Kirche! In den letzten 1700 Jahren immer wieder verfolgt, massakriert (kaum von Moslems, sondern von anderen „Christen“), unzählige Male vertrieben, bis in unsere Tage mit dem Leben bedroht, deshalb zu großen Teilen immigriert, nach Schweden, Australien, auch Deutschland.

Und gleichzeitig: was für eine bewegende und berührende Liturgie! Durchgängig auf Aramäisch, in der Sprache Jesu – und so sprechen die assyrischen Christen als einzige bis auf den heutigen Tagen in der Familie; mit wunderbaren sensiblen Berührungen der Mitfeiernden, bei der Begrüßung, beim Friedensgruß.

Alles in diesem Gottesdienst ist hochsymbolisch, verkörpert und vergegenwärtigt die Geschichte Jesu als Heilsgeschichte, in welche die Gemeinde unmittelbar hineingenommen ist. Und es „funktioniert“! Kein Gesangbuch ist für diese Liturgie nötig, aber ein Frauenchor (Ephraim, der Syrer, 4.Jh., auf den der Großteil der Texte und Hymnen zurückgeht, war ein früher „Feminist“ und stark an Ökologie interessiert!); die Gemeinde geht mit, singt mit, ist innig beteiligt. Der normale Gottesdienstbesuch beträgt 70%, an Festtagen 100% – man glaubt dem Priester.

Die Frage von Reform, Modernisierung, neuen Lieder stellt sich nicht bei einer Liturgie, die die Menschen unverändert durch 17 Jahrhunderte getragen hat und derart offensichtlich bis heute trägt. Was heißt das für uns, die spirituelle Tiefe unserer Gottesdienste, unsere liturgischen Reformbemühungen, auch unsere Predigtkultur, wo immer mehr die Pfarrerin/der Pfarrer mit ihrer/seiner intellektuellen Originalität, oder individuellen spirituellen Prägung alles „reißen“ soll? In einer Lage, in der liturgischer Konservatismus nicht mal mehr bei den 2-3 kirchlichen Stammmilieus sammelnd und bewahrend wirkt, aber das Gegenteil eben auch nicht??

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Test-Post

Tilman Nagel   EZW 4/2016

Die „Verfassung“ von Medina

Die „Verfassung“ von Medina soll vor aller Welt als Beleg für die im Islam seit Mohammeds Zeiten herrschende Religionsfreiheit dienen.1 Wie man hört, sollen sich hohe christliche Würdenträger zu diesem islamischen Anspruch – der zugleich als Beispiel für die Toleranz eines islamischen Staatswesens gegenüber religiösen Minderheiten gelten soll – beifällig geäußert haben. Was aber ist die „Verfassung“ von Medina? Dieser Frage sind die folgenden Seiten gewidmet.

 

Erzählkunst, Fragen und Hoffnung auf Heimat: Gespräch mit zwei Bischöfen der altorientalischen Kirchen.

p1030223-3Am Samstag, den 14. Oktober brechen wir zu zwei Besuchen auf.
Wir werden uns zuerst mit Mor Clemis Daniel Malak Kourieh, Erzbischof der Syriac-Orthodox-Church treffen. „Syriac“ bedeutet, dass dies eine weitere aramäisch-sprachige Kirche ist.
Links über ihm hängt sein Bild. Neben dem Bischofskreuz hat er ein Marienmedaillon umhängen. Das kommt daher: „Erzählkunst, Fragen und Hoffnung auf Heimat: Gespräch mit zwei Bischöfen der altorientalischen Kirchen.“ weiterlesen

Aufgelesen:

„If we are to avoid giving false testimony against our neighbour (Exodus: 20:16), it is essential that Christians should allow Muslims to define themselves and therefore recognise that most Muslims would want to distinguish between ‚Muslims‘, ‚Islamists‘ and ‚Muslim/Islamist terrorists‘.

While the parallel is not exact, one could say that a Muslim studying terrorism in Northern Ireland in recent years would have similar needed to distinguish between Christianity, the Roman Catholic Church and the IRA.“

Colin Chapman: „Christian responses to Islam, Islamism and ‚Islamic terrorism“; in: Cambridge Papers, Volume 16,2, 2007.

West? Ost? Wo liegt das?

von Christof Hartge

Nach der ersten Vorlesung zu „History of contemporary eastern churches“ geht mir furch den Kopf, dass „Ost“ und West“ merkwürdige Richtungsangaben sind.

Als ich Kind war, war ich im Westen und der Osten begann 500 m weiter jenseits der Zonengrenze. Am östlichsten in diesem Sinne war die Tribüne in Moskau, auf der Gromyko, Breschnjew und die anderen saßen, währen die Truppen im Stechschritt vorüberzogen. Es war ein kalter Osten.

Im Studium, weiß ich hatte ich große Schwierigkeiten, wenn vom „westlichen“ Text des NT die Rede war. Der Codex Alexandrinus war „westlicher Text“. Ich schaute in den Atlas. Da lag Alexandria deutlich im Südosten. Leider habe ich mir damals nicht die Frage gestellt, warum ich eigentlich meine, dass Alexandria im Südosten liegt und warum man in der Alten Kirche meinte, es liege im Westen.

Als sich die Grenze öffnete verschob sich der Osten deutlich ins östliche. Nicht sofort, aber Jahr um Jahr. In der Ukraine wissen wir nicht mehr so genau, wo der Westen aufhört und der Osten beginnt. Für Russland scheint die Entscheidung gefallen zu sein.

Liegt dann die Grenze, da wo sie seit der Teilung des römischen Reiches lag, aus der schließlich die westlichen und die östlichen Kirchen erwuchsen.
Wenn ich dann im Urlaub von Kroatien nach Serbien über die Donau wechsele, hat der Osten schon begonnen.

Oder man ließe die Grenze im Bosporus verlaufen, weil da die muslimische Welt und Asien beginnt. Aber Marokko liegt weiter im Westen als Deutschland und befindet sich in Nordafrika.

Merkwürdigerweise habe ich immer gemeint, dass ich im Westen lebe.

Fahrt nach Tyrus über Sidon

Lydia Sabra hat für uns einen Ausflug organisiert. Um 9 Uhr geht es in Downtown Beirut los. Um diese Zeit rollt der Verkehr bereits. Fußgänger, Motorroller, Autos benutzten alle dieselben Flächen, Fahrräder scheinen keine Option für Beirutis zu sein. p1020446So ist ständig eine bunte Verkehrskarawane unterwegs und jeder muss zusehen, wie er durchkommt. Allerdings lösen die Beirutis diese Aufgabe mit viel Verständigung, die weit über das in Deutschland mögliche hinausgeht. Da wird gehupt, gewunken oder einfach auf ein klärendes Gespräch durchs Fenster geführt. Körpersprache ist wichtig für Fußgänger: Blickkontakt suchen, den Körper in Spannung bringen und vorneigen und schon geht es. Für alles das brauche ich ein ungewohntes Maß an Geduld. „Fahrt nach Tyrus über Sidon“ weiterlesen

Hoffnung im Nahen Osten

Pfarrerin i. R. Lydia Laucht hat mir eben das Mitteilungsblatt der Hermannsburger Mission „Mitteilen“ übermittelt Heft 2, 2016). Unter der Überschrift „Hoffnung im Nahen Osten finden sich Artikel der Dozentin der  Nest Rima Nasrallah, der libanesischen Künstlerin Dima Boulad und es Beiruter Grafikers Jubran Elias.

Ein Artikel von Rima Nasrallah zum Studium an der NEST findet sich hier: